Menu
Erfahrungen / Selbstständigkeit

Mein Weg zur Selbstständigkeit

Ich weiß ja nicht wie es euch dabei geht, aber mich interessieren oft die Geschichten, wie man zur Selbstständigkeit gekommen ist. Die meisten Leute machen sich nach mehreren Jahren Arbeitserfahrung selbstständig. Und so meint man auch, ist es der richtige Weg. Aber ist er das? Denn bei mir war das ganz anders und das möchte ich heute erzählen. Denn es gibt nicht nur DEN EINEN WEG zur Selbstständigkeit.

Die Vorgeschichte

Homeoffice KolibriDesign
Homeoffice

Ein kreativer Mensch war ich schon immer. Liebte es zu zeichnen, basteln und zu gestalten. Jedoch konnte ich meine Kreativität in der Schulzeit an der Handelsakademie wenig ausleben. Zahlen frustrierten mich und ich hasste es Texte auswendig lernen zu müssen. Dementsprechend war ich in meiner Schulzeit nicht sehr erfolgreich. Musste mich mit Vierern und bestenfalls Dreiern im Zeugnis zufrieden geben. Mathematik und Rechnungswesen waren meine absoluten Hassfächer, wo ich auch schon mal um eine Vier kämpfen musste. Ich war damals auch schon kurz davor die Schule abzubrechen, aber mein Freund hat mich davon abgehalten. Und darüber bin ich heute noch dankbar! Denn erst jetzt weiß ich, wie wichtig dieser Hintergrund heute ist.

“Ich wollte nie studieren”

Ich hab die Schule mit Matura abgeschlossen. Zwar mit keinem Erfolg, aber das war mir komplett egal. Aber was nun? Studieren wollte ich nie und ich wusste nicht so recht, welchen Beruf ich gerne ausüben will. Dann stieß ich glücklicherweise auf eine zweijährige Ausbildung zum diplomierten Grafik- und Mediendesign. Genau das was mich schon immer interessierte. Ich meldete mich zu dieser Ausbildung an und schon im Herbst startete das erste Semester.

Die zwei Jahre waren für mich wunderbar. Ich lernte wie man Webseiten aufbaut. Bekam eine Einführung ins Grafikdesign und schnupperte ein wenig an der Fotografie, sowie dem Videodreh + Schnitt. Die Ausbildung fiel mir sehr leicht, weil es mich interessierte und mir Spaß machte. Dementsprechend bekam ich auch sehr gute Noten. Es war jetzt nicht die allerbeste Ausbildung, aber es legte den Grundstein meiner jetzigen Karriere. Darum bin ich froh, diesen Weg gegangen zu sein. Während eines Sommerpraktikums in einer Druckerei eignete ich mir noch viel wichtiges Wissen im Bereich Grafikdesign und Druckerzeugnisse an, welches ich heute noch brauche.

Aber auch diese zwei Jahre vergingen wie im Flug und ich stand wieder da. Zwar mit Ausbildung, aber ohne Job. Dabei war mir gleich klar, ich will nicht mein ganzen Leben in einer Druckerei arbeiten. Ein gutes Gehalt war mir schon immer wichtig. Also spielte ich mit den Gedanken doch studieren zu gehen. Wollte aber Kärnten nicht verlassen. Somit schrieb ich mich in die Fachhochschule Kärnten für den Studienzweig Digital Business Management ein. Ja genau, ein Wirtschaftsstudium. “BWL, Rechnungswesen und Mathematik, Hello again!”

Es fiel mir auch diesmal nicht so einfach, aber ich war nun erfahrener und wusste, dass ich dieses Studium für meine Zukunft brauchen würde. Zudem hatte dieses Studium den Schwerpunkt auf Digitales. Wie zum Beispiel Online Marketing. Ein Begriff mit dem ich vor meinem Studium nichts anfangen konnte, welches aber heute sozusagen mein Beruf ist. Das Studium war teilweise fordernd, aber auch interessant und es machte mir Spaß. Schlussendlich war ich froh darüber, mich doch für ein Studium entschieden zu haben. Nicht nur wegen neuer Freundschaften, die entstanden sind. Während meines Pflichtpraktikums als Marketing Assistentin konnte ich in meinen vermeintlichen Traumberuf schnuppern. Ich war mir sicher, ich will im Marketing Bereich arbeiten.

“Endlich habe ich meinen Berufswunsch gefunden”

Den Bachelor of Arts in Business hatte ich nun in der Tasche. Aber mein Weg des Lernens war noch nicht vorbei. Ich hängte gleich darauf das Masterstudium im Bereich Business Development Management an, welches insgesamt 2 Jahre dauerte. Der Grund warum ich mich dazu entschied war in erster Linie dieser, dass ich bis zu meinem vollendeten 27. Lebensjahr, Halbwaisenrente bezog und somit mein Studium noch finanzieren konnte. Und wenn ich schon mal den Bachelor habe, dann wollte ich gleich volles Programm machen und den Master dranhängen. Ein weiterer Grund war, dass es die Möglichkeit gab ein Auslandssemster im letzten Semester des Studiums zu machen. Das war mein absoluter Traum! Und wenn ich mir mal etwas in den Kopf setze, dann ziehe ich das auch durch :D.

Im Masterstudium behandelten wir Themen wie Geschäftsmodellentwicklung, wie man einen Businessplan erstellt und wie man eine Marketingstrategie aufbaut. Alles wichtige Themen für die Selbstständig. Wie ich aber, wie immer, erst später erkannte. Schon während meines Bachelorstudiums bekam ich öfters kleine Aufträge von Freunden und Bekannten um Visitenkarten oder Folder zu gestalten, oder eine Website aufzubauen. Diese nahm ich für kleines Taschengeld auch an. Am Ende meines Bachelorstudiums entschied ich mich ein Kleingewerbe anzumelden. Für mich war das ein großer Schritt, weil ich nie daran dachte, mich einmal selbstständig zu machen.

Die Selbstständigkeit war nie ein Thema für mich

Das eigentliche Gründungsdatum von KolibriDesign war der 01.11.2016. Ich musste viel Neues dazulernen. Steuern waren plötzlich ein Thema und ich musste Buchhaltung machen. Ich, die so sehr zahlen hasste und nur schlechte Noten in Rechnungswesen schrieb. 😀 Aber auch das meisterte ich mit Hilfe meines Freundes, der zu diesem Zeitpunkt in der Bank beschäftigt war und zum Glück ein absoluter Zahlenmensch ist. Der Start in meine kleine Selbstständigkeit lief aber ganz gut und ich konnte damit sozusagen meine Reisen finanzieren und für mein Auslandssemester sparen. Zudem war ich nicht so eingebunden wie meine Studienkollegen, die teilweise nebenbei angestellt waren und so weniger Freizeit hatten, als ich. Aber Hut ab, dass sie trotzdem Nerven und Begeisterung für das Studium aufbrachten.

Am 24.12.2017 war es soweit. Mein Freund und ich flogen für 6 Monate nach Thailand. Davor haben wir Wohnung gekündigt, sein Auto verkauft, mein Auto abgemeldet, zogen für einen kurzen Zeitraum in mein Elternhaus und er hat extra seinen Job gekündigt, nur um mich zu begleiten. In Bangkok studierte ich an der Bangkok University International. Jedoch musste ich nur zwei Kurse besuchen und währenddessen meine Masterarbeit schreiben. Trotzdem blieb noch genügend Zeit um zu reisen. Es war die schönste und erfahrenste Zeit unseres Lebens, die wir nicht mehr missen möchten. Und ja, ich habe auch meine Masterarbeit fertig bekommen. Es war zwar keine Glanzleistung von mir, aber mit einem Gut auf meine Arbeit, war ich mehr als zufrieden. Das Studium schloss ich mit gutem Erfolg ab und nun war ich bereit für die große Karriere in einer Großstadt. Oder? 😉

“Ich war bereit für die große Karriere”

Meine Story zur Selbstständigkeit

Ich wusste, dass ich im Marketing Bereich arbeiten möchte. Außerdem wollte ich entweder in Graz oder in Wien wohnen und arbeiten. Einfach mal weg aus dem kleinen Kärnten. Mein Freund unterstützte mich bei allem was ich wollte. Wir fuhren gemeinsam nach Wien zu Bewerbungsgesprächen und auch nach Graz. Zugegeben, so viele Bewerbungsgespräche waren es zwar nicht, eigentlich nur zwei, aber die Absagen frustrierten mich trotzdem, weil ich doch unbedingt arbeiten und Geld verdienen wollte. Mein Kleingewerbe lief nach wie vor nebenbei her. Am Ende wusste ich dann gar nicht mehr was ich wollte. Die lange Fahrt nach Wien nervte mich schon. Wie wäre es gewesen, wenn wir ständig zwischen Kärnten und Wien hin und her gependelt wären? Graz war noch eine Option, aber so sicher war ich mir dann auch nicht mehr. Also lies ich meinen Freund entscheiden. Schließlich war er nach dem Auslandssemester auch wieder auf Jobsuche.

Und so kam es, dass wir nach Klagenfurt zogen, da er einen Job gefunden hatte. Klagenfurt war auch nie eine Option für mich. Konnte mich dann aber doch schnell damit anfreunden, weil es nicht so weit von zuhause entfernt war, wir aber doch in einer etwas größeren Stadt leben und arbeiten würden. Also schickte ich Bewerbungen an Unternehmen in Klagenfurt.

Während meiner Jobsuche lief mein kleines Gewerbe aber immer besser. Ich bekam mehrere Aufträge und verdiente ziemlich gut damit. Schließlich bekam ich auch ein Angebot für eine dauerhafte Kooperation mit einem Unternehmen, dass sowohl in Kärnten, als auch in Deutschland ansässig war. Im gleichen Moment habe ich ein sehr interessantes und gut bezahltes Jobangebot in Klagenfurt erhalten. Nun musste ich mich entscheiden.

“Ich musste mich zwischen der Selbstständigkeit und dem Angestelltenleben entscheiden”

Ich war immer davon überzeugt, dass ich mich doch nicht richtig selbstständig machen kann, ohne richtiger Arbeitserfahrung. Die paar Monate Arbeitszeit in einer Druckerei und im Marketing Bereich zählten für mich nicht als ausreichende Erfahrung. Aber mein Freund öffnete mir damals die Augen und sagte: “Wo gibt es ein Gesetz, dass besagt, man müsse zuerst jahrelang in einem Betrieb arbeiten, bevor man sich selbstständig machen darf?” Er hatte recht.

Zwar wurde mir von dem einen Unternehmen angeboten, dass ich einen Tag die Woche meiner Selbstständigkeit nachgehen darf, aber wer weiß wie die Realität dann wirklich gewesen wäre. Ich lehnte das Angebot ab. Obwohl ich ziemlich lange grübelte, was die richtige Lösung für mich ist. Denn ein sicherer Job, mit sicherem Gehalt ist einfach die bequemere Lösung. Aber würde es mich auch glücklich machen? Womöglich nicht auf Dauer. Mit der Selbstständigkeit hatte ich immer ein Risiko. Ich muss mich selbst um ALLES kümmern. Ich bin Chef, Assistentin, Buchhaltung, Verkäuferin und Angestellte in einer Person. Wenn ich nicht arbeite, bekomme ich auch kein Geld.

Mein Freund ermutigte mich. Denn ich kann es doch probieren. Jetzt hätte ich die Chance und sollte es nicht klappen, kann ich mich immer in einem anderen Unternehmen als Angestellte bewerben. Und so fing meine richtige Selbstständigkeit an…

Endlich selbstständig, und nun?

KolibriDesign Visitenkarten
Visitenkarten

Nun war es soweit. Ich machte mich von “nur nebenbei selbstständig” als richtig selbstständig. Der erste Schritt war ein schriftlicher Kooperationsvertrag mit jenem Unternehmen, mit dem ich heute noch zusammenarbeiten darf. Der nächste Schritt war der Gang zur Unternehmensberatung bei der Wirtschaftskammer. Ich meldete mich bei der Sozialversicherung an und musste schließlich meine Sozialversicherung, Pensionsvorsorge, Unfallversicherung etc. selber regelmäßig bezahlen.

Zuhause richteten wir mir ein richtiges Büro ein, wo ich konzentriert arbeiten konnte. Außerdem setzte ich mir fixe Arbeitszeiten, an denen ich arbeitete wie ein Angestellter. Am Wochenende nahm ich mir, so gut es ging, frei.

Ich kümmerte mich außerdem um ein ordentliches Finanzprogramm, welches mir das Erstellen von Rechnungen, Angeboten und Co. erleichterte. Der nächste Schritt war die Suche nach einer kompetenten Steuerberatung, die mich in allen steuerlichen Belangen beraten und unterstützen konnte.

Schreibtisch KolibriDesign
Mein Schreibtisch

Und jetzt nach mittlerweile mehr als einem Jahr “richtiger Selbstständigkeit” kann ich aus Überzeugung sagen, dass es der richtige Schritt für mich war. Es kamen neue Kunden dazu, bekam neue interessante Aufträge und lernte viele neue Bekannte, wo sich sogar schon Freundschaften entwickelten, kennen. Es gibt also nicht den EINEN WEG der Selbstständigkeit. Wenn du den Mut, die Disziplin und den Willen hast. Mach es! Die Erfahrungen machst du während der Selbstständigkeit, dafür musst du nicht zuerst in einem Unternehmen angestellt gewesen sein.

Bist du auch selbstständig, oder würdest dich gerne selbstständig machen? Was ist deine Geschichte dazu? Ich freue mich, mit anderen darüber austauschen zu können. Also hinterlasse mir gerne ein Kommentar oder schreib mir auf hallo@kolibridesign.at

Wenn ihr meine Vorgeschichte gelesen habt, ist euch wahrscheinlich des öfteren aufgefallen, dass vor allem in wichtigen Lebenslagen mein Freund immer wieder ein Thema war. Er hat mich dazu ermutigt, nicht die Schule abzubrechen. Hat mich während meines Studiums unterstützt. Hat seinen Job nur für mich gekündigt, damit er mich ins Auslandssemster nach Thailand begleiten kann. Ist mit mir durch halb Österreich gefahren, wo ich auf Jobsuche war und hat mich schlussendlich dazu ermutigt, mich selbstständig zu machen. Er hat mich mein halbes Leben begleitet und unterstützt. Wir sind gemeinsam erwachsen geworden und er hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Davon bin ich überzeugt und auch froh darüber. Und ich bin unendlich dankbar diesen Menschen an meiner Seite zu haben. Ich muss schon zugeben, dass ich wahrscheinlich den allerbesten Freund/Lebenspartner/Seelenverwandten auf der Welt habe. 😉

No Comments

    Leave a Reply